Ratschläge sind auch Schläge

Mit der Elternschaft ist es ähnlich, wie mit dem Lehrersein. Weil wir alle selber Kinder bzw. Schüler waren, meinen wir, dass wir genau wissen, wie es richtig geht. Daher bekommen Eltern auch ständig ungefragt gut gemeinte Ratschläge. Von ihren Eltern, von Freunden (gerne auch von kinderlosen) und auch immer wieder einfach so von wildfremden Leuten auf der Straße.

Die Experten für das eigene Kind sind die Eltern. Also sollte sich niemand ungefragt in den Umgang von Eltern mit ihrem Kind einmischen, wenn es nicht gerade um massive Kindswohlgefährdung geht.

Ungefragte Ratschläge braucht kein Mensch, denn

  1. Ratschläge sind auch Schläge und
  2. „Gut gemeint“ ist in der Regel das Gegenteil von „gut“.
  3. Sind Kinder nicht freie Verfügungsmasse aller Erwachsener um sie herum.

Daher sollten wir uns alle zurückhalten mit ungefragten Ratschlägen zu Lebensform (berufstätig oder nicht), Umgang mit den Kindern oder anderen Dingen.

Eltern brauchen aber Unterstützung, denn wie schon das bekannte afrikanische Sprichwort sagt: „Es braucht ein Dorf um ein Kind groß zu ziehen.“

Die einfachste Lösung wäre, die Eltern zu fragen, ob bzw. wie man ihnen helfen kann. Dann kann man das tun, worum man gebeten wird. Das ist echte Unterstützung, die auch hilft. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass diese Unterstützung auch darin bestehen kann, dass ich meiner Schwiegertochter im Wochenbett ein warmes Essen vorbei bringe und dann – statt mit dem Enkelkind spazieren zu fahren – einfach mal das Bad putze.

Daher sollte ich meine Hilfe nur dann anbieten, wenn ich auch bereit bin, da zu helfen, wo es notwendig ist und nicht da, wo ich es für richtig halte.

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Es braucht ein Dorf

In einem Zeitungsartikel  las ich vor kurzem folgende Aussage eines französischen Kinderarztes auf die Frage, warum Französinnen so viele Kinder bekommen: „Sie bekommen so viele Kinder, gerade weil sie sich nicht um sie kümmern müssen!“ 

Diese Aussage klingt gerade im Zusammenhang dieses Artikels sehr böse. Aber losgelöst davon, steckt ein Funken Wahrheit darin. Denn französische Mütter müssen sich nicht alleine kümmern, wie es hier in Deutschland oft der Fall ist. Sie haben Unterstützung von Kindermädchen, KrippenerzieherInnen und der Ganztagsschule. Es bleibt nicht alles an der Kleinfamilie hängen.

Nun kann man sagen, das französische System sei auch nicht optimal. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es einfacher ist, das Leben mit Kind(ern) zu meistern, wenn man es nicht alleine tun muss.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.

Früher gab es diese Dorf noch. Die Großfamilie, aber auch Freunde und Nachbarn kümmerten sich selbstverständlich mit um die Kinder. Die Kernfamilie war in ein Netz vielfältiger Beziehungen eingebunden. So wuchsen auch die Kinder ganz natürlich in dieses Beziehungsnetz hinein, mit vielfältigen Beziehungen und mehreren Bezugspersonen.

Heute sieht das oft anders aus. Die Großfamilie gibt es fast nicht mehr (ich kenne außer mir wenige Menschen, die drei Geschwister haben) und oft leben wir weit weg von den anderen Familienmitgliedern. Gerade in der Großstadt sind auch die Beziehungen zu den Nachbarn meist nicht so eng.

Da gilt es, sich ein eigenes Dorf zu schaffen. Freundschaften sind da eine gute Basis, aber zum modernen Dorf gehören auch Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Tagesmutter gehört genauso zu unserem Netzwerk wie der Babysitter, die Erzieherin im Kindergarten so wie auch unsere Freunde und meine Eltern.

„Ein eigenes Dorf schaffen“ bedeutet aber auch, dass ich bereit sein muss, neue Beziehungen aufzubauen mit den Menschen, die Teil meines Dorfes werden sollen. Und es bedeutet, Menschen, die mir zunächst fremd sind, aber zunehmend vertraut werden einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Das ist natürlich schwieriger, als auf ein über Generationen gewachsenes Netzwerk zurückgreifen zu können.

Es hat aber auch den Vorteil, dass ich mir die Bewohner meines Dorfes selber aussuchen kann. Mit so einem selbst gegründeten Dorf stehe ich nicht mehr alleine vor der Herausforderung, das Familienleben zu meistern. Ein tragfähiges Netz gibt meiner Familie Halt und mir Entlastung. Da lohnt sich die Investition in den Aufbau dieses Dorfes.

Familien-Freitag: Kenne deine Bedürfnisse

Meist wissen wir ganz genau um die Bedürfnisse unserer Kinder, in der Regel auch um die unseres Partner. Nur unsere eigenen Bedürfnisse, die bemerken wir erst, wenn sie massiv nach Aufmerksamkeit schreien. Dann haben wir sie aber meist schon längere Zeit missachtet und das führt oft zu unschönen Szenen im Familienleben, die uns nachher leid tun. Denn wer schreit schon seinen Chef an? (selbst, wenn er es verdient hätte!)

Weißt du, was du brauchst?

Bist du mehr der Typ, der viel Trubel um sich mag oder brauchst du Ruhephasen ganz für dich allein?

Kommst du mit wenig Schlaf aus oder kannst du nur nach 8 Stunden Schlaf den Tag überstehen?

Bedürfnisse erfüllen, bevor ein Mangel entsteht ist für mich ein wichtiger Baustein um Familie und Beruf zu vereinbaren. Wenn du weißt, was du brauchst, kannst du gezielt darauf achten, dass diese deine Bedürfnisse erfüllt werden. Und zwar bevor es zu spät ist und du deine Familie frustriert anbrüllst.

Gerade seit ich wieder mehr Stunden arbeite merke ich, wie wichtig es ist, mir rechtzeitig meine Bedürfnisse zu erfüllen. Tue ich das nicht, merke ich deutlich, dass meine Geduld abnimmt und ich meinen Mitmenschen gegenüber unfreundlich werde.

So sorge ich dafür, dass ich morgens nach dem Aufstehen erst einmal eine Zeit lang für mich alleine bin, weil ich in dieser Zeit Ruhe brauche und Kaffee. So ist der Start in den Tag für die ganze Familie entspannter, weil ich selber entspannter bin.

Daher ist es wichtig, seine Bedürfnisse zu kennen und auch regelmäßig für ihre Erfüllung zu sorgen. Denn wenn es mir nicht gut geht, dann geht es auch meiner Familie nicht gut.

Wie ich das mache? Tipps und Anregungen dazu demnächst auf diesem Blog.

Familien-Freitag: Geht zu Fuß

Fahrt ihr auch so viel mit dem Auto? – Natürlich, das geht ja auch schneller.

Ich habe das zu Fuß gehen für mich entdeckt. Einfach mal das Kind zu Fuß vom Kindergarten abholen.

Das hat viele Vorteile:

Zum einen bekomme ich Bewegung und kann dabei meine Stresshormone abbauen.

Dann tanke ich Sonne, was meinem Vitamin D-Haushalt unglaublich gut tut.

Aber vor allem komme ich wieder in Kontakt zu mir selbst und zu meinem Kind. Auf dem Weg zum Kindergarten habe ich Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen und mich auf mein Kind zu freuen. Auf dem Rückweg kann ich mit meinem Kind gemeinsam Zeit verbringen, in Pfützen springen oder durch Laubhaufen laufen, wir können uns gegenseitig von unserem Tag erzählen und haben gemeinsame Zeit, um unsere Verbindung wieder zu festigen.

Natürlich könnte ich für die Bewegung auch mein Kind zum Sportkurs und mich ins Fitness-Studio schleppen, aber da fehlt die Beziehung. Wir können auch im Auto reden, aber da sitzt mein Kind hinten und ich vorne. Mir ist das zu unpersönlich.

Vielleicht findest du auch einen Weg, den du mit dem Auto fährst, der aber auch zu Fuß zu bewältigen ist.

Tipps für Stressfreiheit: Plane Zeit ein. Pack das Smartphone weg. Zieh dein Kind und dich angemessen an (Herbst: Regensicher!), das spart ungemein Nerven.

Müttersolidarität

Immer wieder erlebe ich es in diversen Internetforen und Facebook-Gruppen, dass Mütter sich gegenseitig verurteilen. Die „Hausfrau und Mutter“ wirft der „berufstätigen Mutter“ (gibt es eigentlich auch den Begriff „berufstätiger Vater“?) vor, sie sei eine Rabenmutter, woraufhin sie umgekehrt als „Glucke“ und „Heimchen am Herd“ bezeichnet wird.

Solange Mütter sich gegenseitig bekämpfen, können sich sowohl die Väter als auch die Politiker entspannt zurücklehnen. Denn die vielberufene „Toleranz“ hört genau an der Stelle auf, wenn unbewusst das Feld der „guten Mutter“ betreten wird. Die eine wirft Vereinsamung der Kinder „daheim allein mit der Mutter“ in den Topf, die andere zitiert Studien zu erhöhten Stresswerten bei Kleinkindern in sogenannter „Fremdbetreuung“. In einschlägigen Foren geht darauf hin ein Hennenkampf los, der für außenstehende die Tragik zeigt. Statt zusammen, arbeiten Mütter gegeneinander. Statt konstruktiven Vorschlägen zu Qualitätszeit und Kinderglück hagelt es Vorwürfe und Misstrauen.

Was könnten wir Frauen für einen (politischen) Einfluss haben, wenn wir nur an einem Strang ziehen würden?

Und wir haben doch ein gemeinsames Ziel: echte Wahlfreiheit.

Die gibt es aber nur

  1. mit flächendeckender und qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung oder und
  2. mit einer finanziellen Absicherung derer, die sich dafür entscheiden, für ihr Kind ihren Beruf auf Eis zu legen und
  3. wenn Kinder endlich den Status der „Frauensache“ verlieren und die Männer sich auch voll verantwortlich mit einbringen können/müssen/dürfen und
  4. wenn sich bei den Arbeitgebern endlich herumspricht, dass die Anwesenheitszeit im Büro nichts über die Qualität der Arbeit aussagt

Darum ist es umso wichtiger, dass Mütter sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern unterstützen.

Also: Mütter Deutschlands vereinigt euch!