Barbara Streidl: Kann ich gleich zurückrufen? Der alltägliche Wahnsinn einer berufstätigen Mutter. Blanvalet 2012

In ihrem Buch „Kann ich gleich zurückrufen?“ erzählt Barbara Streidl anschaulich aus ihrem Leben.  Anhand der Schilderung von sieben Tagen Spagat zwischen Familie und Beruf werden viele Probleme deutlich, die die Vereinbarkeit mit sich bringt.

Zu diesen Problemen zählt vor allem die innere Zerrissenheit. Einerseits möchte die Autorin Zeit mit ihrem Kind verbringen, gemeinsam Dinge unternehmen in Ruhe und ohne Hetze. Andererseits arbeitet sie gerne und möchte auch beruflich vorwärts kommen. Dies ist aber mit Teilzeitstelle und der in Deutschland immer noch herrschenden Präsenzkultur schwer.

Barbara Streidl untermauert ihren Spagat zwischen Familie und Beruf mit Zahlen und Fakten, die sich gut in den Text einfügen und wichtige Hintergrundinformationen geben.

So ist „Kann ich später zurückrufen?“ ein sehr interessantes und gut zu lesendes Buch geworden, das viele Fragen aufwirft aber auch Lösungsvorschläge macht. Rundum eine lohnende Lektüre.

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Corinna Knauff: „Ich bin eine gute Mutter!“, Campus Verlag Frankfurt 2009

Der Untertitel des Buches: Warum es ihrem Kind besser geht, wenn Sie nicht perfekt sind. gefällt mir gut, ebenso wie die Grundidee, dass es der Familie nur dann gut geht, wenn es auch der Mutter gut geht.

Die Autorin beschreibt anschaulich die Perfektionsfalle, in die viele Mütter stolpern. Ihr Buch möchte sie nicht als Erziehungsratgeber sondern als persönliches Plädoyer für mütterliche Autonomie und Souveränität verstanden wissen.

Sie plädiert dafür, dass sich Mütter nicht gegenseitig bekämpfen, sonder unterstützen, dass wir auch Verantwortung abgeben, z. B. an die Väter, und sie sagt, dass der Perfektionismus der Mütter auch den Kindern schadet, weil er kindliche Könige hervorbringe. Hier scheinen die viel gescholtenen Helikopter-Eltern durch, ohne dass der Begriff fällt.

Corinna Knauff spricht sich daher für den Abschied von der Übermutter (so eine Kapitelüberschrift) aus und gibt die Parole aus: Sei eine gute Mutter, sei du selbst! (S. 51)

Um das zu realisieren gibt sie drei Mantras vor:

  • Nein-Mantra: Ich bin eine gute Mutter, und gute Mütter haben Grenzen!
  • Bye-bye-Mantra: Ich bin eine gute Mutter, und gute Mütter sind nicht immer nah!
  • Ich-Mantra: Ich bin eine gute Mutter, und gute Mütter achten auch auf sich selbst!

Diese Mantras sollen helfen, die weniger selbstlosen Teilen unserer Mutterschaft, mit denen wir uns laut der Autorin schwer tun, anzunehmen. Dies diene auch der persönlichen Entwicklung und dem Rückgewinn unserer Erziehungshoheit. Dadurch gewinne die Mutter nicht nur die Selbstbestimmung zurück, sie verhelfe auch ihren Kindern in ihrer Entwicklung zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

Dazu müssen wir nur die Mantras befolgen und lernen, Nein zu sagen, loszulassen und auf uns selbst zu achten. Wir sollen Basicmama statt Supermama sein. Dies bedeute, den Kindern eine gute Basis zu bieten, ein Fundament, das ihnen Rückhalt und Schutz vermittelt. Man solle sich auf das Wesentliche konzentrieren und: Für uns Mütter heißt das, von Beginn an mit viel Fleiß daran zu arbeiten, überflüssig zu werden (S. 66)

Häh?!

Hier an dieser Stelle kommt klar zum Ausdruck, was mich an diesem Buch stört. Es ist widersprüchlich. Immer wieder wechseln sich Passagen, die für eine gute Mutter-Kind-Beziehung plädieren ab mit solchen, die eben eine solche gute Beziehung verhindern.

Mütter sollen authentisch sein und auch ihre eigenen Bedürfnisse beachten, soweit kann ich das unterschreiben. Aber die Beispiele, die die Autorin anführt, haben meiner Meinung nach nichts damit zu tun.

So vergleicht sie Äpfel mit Birnen.Im Prinzip sei es gleich, ob ich das Kind im Laufstall schreien lasse, während ich die Küche zuende putze – oder ob das Kind beim Arzt brüllt, weil es dort eine wichtige Untersuchung erhält, die im Zweifel langfristig seine Gesundheit erhält (S. 144f). Für mich gibt es da einen großen Unterschied.

Sie rät auch, sich innerlich zu distanzieren, um z. B. ein Schlafprogramm durchzuziehen: Denken wir an etwas ungemein Wichtiges, das nichts, aber rein gar nichts mit dem brüllenden Kleinkind nebenan zu tun hat: an den Hintern des Liebsten, an die anstehende Wurzelbehandlung… (S. 170) Das Kind erfahre dadurch Halt und Klarheit und dies sei einer guten Beziehung dienlich. (Wer sich mal mit Schlafprogrammen beschäftigt, dem müsste eigentlich klar sein, dass das Kind nur lernt, dass seine Bedürfnisse nach Sicherheit und Nähe nicht beachtet werden und dass auch die Person, die es am meisten auf der Welt liebt und braucht, nicht für es da ist. Wie das einer guten Beziehung dient, erschließt sich mir nicht.)

Auf den nächsten Seiten rät sie dann, auf sein Herz zu hören, was man ja im vorhergehenden Beispiel anscheinend gerade nicht machen soll, da soll man sich ja ablenken.

Insgesamt scheint im Hintergrund immer wieder die Vorstellung vom Kind als Gegner und potentiellem Tyrannen durch. So soll man sich gegen das Kind abgrenzen und die eigenen Bedürfnisse gegen das Kind verteidigen.

Auch die von ihr propagierten Handelsbeziehungen mit dem Kind – sie nennt es Win-Win-Situationen – haben für mich etwas sehr künstlichen und manipulatives. Jesper Juul sagt dazu: Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Dies hat für mich dann auch nichts mehr mit der propagierten Authentizität zu tun.

Fazit:

Die Grundthese, dass Mütter auch ohne schlechtes Gewissen auf ihre eigenen Bedürfnisse achten sollen, kann ich uneingeschränkt unterschreiben. Nur muss das nicht in einer Gegnerschaft zwischen Mutter und Kind bestehen, da lassen sich auch andere Möglichkeiten finden. Auch brauche ich für diese Erkenntnis kein ganzes Buch, was darüber hinaus trotz des Anspruchs, kein Ratgeber zu sein, immer wieder mit zweifelhaften Rat-Schlägen aufwartet. Vielleicht hätte sich die Autorin auf einen Zeitschriftenartikel beschränken sollen.

Cornelie Kister: Mütter, euer Feind ist weiblich. Frankfurt a. M., Eichborn Verlag 2007

Dieses Buch sprach mich gleich an, weil es ein Phänomen thematisiert, das auch mir immer wieder auffällt. Egal wie eine Frau lebt, sie wird immer dafür verurteilt. Und nicht von Männern. Frauen verstehen es ausgezeichnet, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen.

Da wettert die berufstätige Mutter gegen die „Nur-Hausfrau“ wärhend diese nicht müde wird, die andere als „karrieregeile Rabenmutter“ zu titulieren. Jede weiß am Besten, wie frau zu leben hat und was die anderen alles falsch machen.

Cornelie Kister beschreibt dieses Phänomen in ihrem Buch weitgehend wertfrei und anschaulich und plädiert dafür, Frauen die Wahlfreiheit auch wirklich zu lassen, die sie sich im Zuge des letzten Jahrhunderts mühsam erkämpft haben. Und vor allem fordert sie uns auf, uns nicht immer gegenseitig zu verurteilen.

Dazu unternimmt sie einen Ausflug in die Geschichte der deutschen Frauenbewegung und macht vor allem die idealisierte Vorstellung von der „guten Mutter“ als Ursache der Grabenkämpfe aus. Diese verinnerlichte Vorstellung hindere die Frauen daran, unbeschwert und authentisch ihr Leben in die Hand zu nehmen. Sie fordert uns dazu auf, diese überhöhten Ansprüche auf den Prüfstand zu stellen und uns davon zu befreien. Dann haben nämlich auch die Männer endlich die Gelegenheit, ihren Teil zur Gleichberechtigung beizutragen, denn „Hinter jeder erfolgreichen Frau und Mutter steht ein engagierter Vater“.

Cornelie Kister ist der Meinung, dass wir eine neue Frauenbewegung brauche, die die untereinander zerstrittenen Frauen befriedet und ein Nebeneinander der unterschiedlichen Lebensentwürfe möglich macht.

Die Lektüre hat mir sehr gefallen, weil in diesem Buch viele Dinge stehen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Ich hoffe mit der Autorin, dass die Generation unserer Kinder einmal frei von Verurteilungen so leben kann, wie sie das selber wählen.