Wurzeln und Flügel – Von Bindung und Loslassen

Mit dem Loslassen ist es nicht immer so leicht. Hier liest und hört man in letzter Zeit immer wieder von Helikopter-Eltern.  Diese Bilder finde ich erschreckend. So möchte ich nicht mit meinen Kindern umgehen.

Ein Sprichwort sagt: Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.

Wie ein Baum, der sein Astwerk auch nur entfalten und verzweigen kann, wenn er starke Wurzeln hat, so braucht auch ein Kind starke Wurzeln, damit es sich entfalten kann. Diese Wurzeln sind die Bindung, zunächst zu den Eltern, dann aber auch zu anderen Bezugspersonen. Wie wichtig eine sichere Bindung ist, ist unbestritten. Die Elternzeitschriften sind voll davon und auch bei den meisten Eltern hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Bindung die Basis für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung darstellt.

Aber wie ist es mit den Flügeln bzw. den Ästen? Wenn diese sich entfalten, lassen wir sie das tun? Oder versuchen wir, sie zu stutzen, kurz zu halten, in Form zu bringen?

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Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mein Baby das erste Mal allein bei der Tagesmutter gelassen habe. Nicht, dass ich der Frau nicht vertraut hätte, aber es ist mir schwer gefallen. Es war ein Stück Abnabelung. Und wir haben es beide geschafft.

Oder als mein großer Sohn in den Kindergarten gekommen ist. Ich war diejenige, die traurig war. Er ist selbstbewusst in den Gruppenraum geschritten und hat sich dort auf Anhieb zuhause gefühlt.

Später, als mein Großer zum ersten Mal alleine zur Musikstunde gegangen ist, weil ihn niemand bringen konnte (wir haben beide gearbeitet). Ich habe auf dem Weg zur Musikschule die ganze Zeit nach meinem toten Kind im Straßengraben Ausschau gehalten. Und mein Sohn war stolz wie Oskar, dass er es ganz allein geschafft hat.

Was ich damit sagen will? Oft fällt uns Eltern das Loslassen schwerer als den Kindern. Sie wollen ihre Flügel nicht nur ausbreiten sondern auch fliegen. Und wir haben oft Angst davor, sie gehen zu lassen. Aber wenn wir es schaffen, diese Angst für uns zu behalten und die Kinder dennoch fliegen lassen, dann können wir entdecken, wie glücklich und stolz sie sind, etwas alleine geschafft zu haben. Sie freuen sich über unser Vertrauen in ihre Fähigkeiten.

Und vor allem: Sie kehren gerne zu uns zurück.

Ratschläge sind auch Schläge

Mit der Elternschaft ist es ähnlich, wie mit dem Lehrersein. Weil wir alle selber Kinder bzw. Schüler waren, meinen wir, dass wir genau wissen, wie es richtig geht. Daher bekommen Eltern auch ständig ungefragt gut gemeinte Ratschläge. Von ihren Eltern, von Freunden (gerne auch von kinderlosen) und auch immer wieder einfach so von wildfremden Leuten auf der Straße.

Die Experten für das eigene Kind sind die Eltern. Also sollte sich niemand ungefragt in den Umgang von Eltern mit ihrem Kind einmischen, wenn es nicht gerade um massive Kindswohlgefährdung geht.

Ungefragte Ratschläge braucht kein Mensch, denn

  1. Ratschläge sind auch Schläge und
  2. „Gut gemeint“ ist in der Regel das Gegenteil von „gut“.
  3. Sind Kinder nicht freie Verfügungsmasse aller Erwachsener um sie herum.

Daher sollten wir uns alle zurückhalten mit ungefragten Ratschlägen zu Lebensform (berufstätig oder nicht), Umgang mit den Kindern oder anderen Dingen.

Eltern brauchen aber Unterstützung, denn wie schon das bekannte afrikanische Sprichwort sagt: „Es braucht ein Dorf um ein Kind groß zu ziehen.“

Die einfachste Lösung wäre, die Eltern zu fragen, ob bzw. wie man ihnen helfen kann. Dann kann man das tun, worum man gebeten wird. Das ist echte Unterstützung, die auch hilft. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass diese Unterstützung auch darin bestehen kann, dass ich meiner Schwiegertochter im Wochenbett ein warmes Essen vorbei bringe und dann – statt mit dem Enkelkind spazieren zu fahren – einfach mal das Bad putze.

Daher sollte ich meine Hilfe nur dann anbieten, wenn ich auch bereit bin, da zu helfen, wo es notwendig ist und nicht da, wo ich es für richtig halte.

Ruheinseln im Alltag

Kranke Kinder, Deadlines im Beruf, Termintetris – alle diese Dinge erhöhen unseren Stresslevel ungemein. Daher ist es wichtig, im Alltag bewusst Pausen einzulegen. Sich Inseln zu schaffen, die uns aus dem Strom der Aufgaben und Pflichten reißen und uns wieder festen Boden unter den Füßen geben. Diese Pausen müssen nicht lange dauern und können problemlos in den Alltag integriert werden.

Solche Inseln versuche ich mir bewusst zu schaffen. Dabei ist der erste Schritt immer, tief durchatmen, nachspüren, wie es mir gerade geht:

  1. Das bewusste Genießen der ersten Tasse Kaffee des Tages – ganz allein in meiner Küche – verhilft mir zu einem guten Start.
  2. Das Hörbuch im Auto bzw. die Musik-CD, die ich bewusst auswähle, sorgt dafür, dass ich etwas höre, was mir Spaß macht/mich interessiert/mir positive Energie gibt.
  3. Eine Tasse Tee, die ich mir morgens nach der Ankunft auf der Arbeit mache und dann in Ruhe trinke, bevor ich loslege hilft mir, anzukommen.
  4. Die Schlange an der Kasse gibt mir die Gelegenheit, mich zu erden und ruhig zu werden.
  5. Das Zubettbringen des kleinen Kindes gibt auch mir die Gelegenheit, runterzukommen.
  6. Eine Dusche nach einem anstrengenden Arbeitstag, bei der ich mir vorstelle, wie das Wasser auch allen Stress mit wegspült, lässt mich entspannter den Abend einläuten.
  7. Die Umarmung meines großen Sohnes und seine Fußmassagen, die er mir immer wieder schenkt, helfen mir, zu entspannen und seine Nähe zu genießen.
  8. Die Handarbeit abends auf dem Sofa gibt mir das Gefühl, etwas Kreatives zu erschaffen.
  9. Tiefe Atemzüge, wenn ich vor die Haustür treten, verbinden mich mit meiner Umwelt.
  10. Zwischendurch mal ein kleines Spielchen auf Handy oder Tablet erinnern mich an die Leichtigkeit des Lebens.

Es gibt bestimmt noch viele Möglichkeiten, Ruheinseln in den Alltag einzubauen.

Was macht ihr, um ruhig zu werden? Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.

Mütter in der Gratifikationskrise

Es wird viel darüber diskutiert, dass Frauen arbeiten sollen und wie man ihnen das ermöglichen könnte. Dabei wird aber oft übersehen, dass Frauen sowieso arbeiten. Es ist ja keineswegs so, dass Frauen, die sich ausschließlich um die Kinder kümmern, nicht arbeiten würden. Denn auch Erziehungsarbeit ist Arbeit.

Dazu kommt in der Regel auch noch der Haushalt, den meist Frauen – egal ob Vollzeit-, Teilzeit- oder Erziehungsarbeit leistend, überwiegend übernehmen. Dafür bekommen sie meist gar keine Wertschätzung und dies kann dann zu einer  Gratifikationskrise führen.

Dabei nehmen die Ansprüche an Frauen und Mütter immer weiter zu: sie sollen sich um die Kinder kümmern, den Haushalt schmeißen, arbeiten gehen und gleichzeitig eine MILF  sein. Dazu kommen Sprüche wie: „Schatz, wie war dein Tag auf dem Sofa?“ und der immer noch sehr mächtige Mythos von der guten Mutter, der den Druck zusätzlich erhöht.

Gratifikationskrisen machen krank und eine kranke Mutter will niemand haben.

Was können wir also tun?

  • Aufteilung der Hausarbeit (damit auch die Männer merken, dass Hausarbeit Arbeit ist).
  • Solidarität unter Frauen, denn wir geben alle unser Bestes*
  • Abbau des Mythos von der guten Mutter
  • Entlastung für Familien durch Unterstützung echter Wahlfreiheit für alle
  • und vor allem: Einfach mal sagen, dass man es toll findet, was eine Mutter alles leistet.

*Da gibt es gerade eine Aktion, die durch die Medien zieht. Klickt euch doch mal durch die Fotos von Stop the Mommy Wars

Warum es gerade mal stiller ist …

Ganz einfach: Die Liebe Uta steckt bis zu den Ohren in Klassenarbeiten und Beurteilungen. Bei mir stapeln sich gerade die Projekte und auch im Verein steht gerade richtig viel Arbeit an.

In nächster Zeit werden wir eine Artikelserie zu Achtsamkeit im Alltag starten, Tipps zur Arbeitsorganisation und ein Interview kommen auch noch.

Aber erst mal setzen wir Prioritäten und schieben alles nach hinten, was nicht DRINGEND oder WICHTIG ist 😉

Umgebe dich mit Menschen, die dir gut tun

Durch eine Familienfeier wurde mir schmerzlich bewusst, was passiert, wenn wir Menschen in unser Leben lassen, die uns nicht gut tun:

  • Es tut weh.
  • Es raubt uns Energie.
  • Es kratzt an unserem Selbstbewusstsein.

Ich habe mich nach diesem Erlebnis entschieden, Menschen, die mir nicht gut tun in meinem Leben keinen Platz mehr einzuräumen.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die mir gut tun, die mir ein Vorbild sind und die mich schätzen und respektieren. So hole ich mir Liebe und Wertschätzung in mein Leben, finde Vorbilder, an denen ich wachsen kann und kann authentisch sein.

Für mich ist das mehr als Selbstschutz. Es ist auch eine Botschaft an meine Familie und meine Umwelt. Ich bin es mir selber wert, geschätzt und respektiert zu werden. Wenn jemand das nicht tut, dann grenze ich mich ab, um mir selber treu zu bleiben.

Kurz gesagt: Ich sorge für mich selber.