Vereinbarkeit für Lehrerinnen

Auf www.literatenmelu.de läuft gerade eine Blogparade zum Beruf des Lehrers.

Diesen Aufruf nehme ich gerne an und beantworte die gestellten Fragen:

1. Warum bin ich Lehrerin geworden?

Ich habe nach einem Beruf gesucht, bei dem ich gleichzeitig mit jungen Menschen arbeiten und was mit Fremdsprachen machen kann. Nach kurzen Überlegungen, Dolmetscherin/Übersetzerin zu werden, habe ich mich dann aber doch für die Schule entschieden. Das kannte ich, da ich selber ein Lehrerkind bin. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielte damals schon eine Rolle für mich, weil ich mir sicher war, dass ich gerne Kinder haben möchte und den Eindruck hatte, dass sich das gut mit der Schule verbinden ließe. Ich habe dann Französisch, Spanisch und Geschichte für die Sekundarstufe I und II studiert, im Studium mein erstes Kind bekommen.

2. Was war meine Motivation?

Zum einen faszinieren mich meine Fächer. Ich liebe Sprachen und vor allem Französisch und Spanisch mag ich besonders. Diese Begeisterung wollte ich gerne an meine Schülerinnen und Schüler weiter geben. Außerdem habe ich mich schon früh in der Jugendarbeit engagiert und immer gerne mit jungen Menschen zusammen gearbeitet und gefeiert. Es machte mir Spaß, diese ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten und insgeheim hoffte ich auch, sie vielleicht dort auch zu inspirieren.

3. Habe ich die Motivation noch?

In einigen Teilen habe ich noch meine Motivation. Ich liebe immer noch meine Fächer, musste aber feststellen, dass viele meiner Schülerinnen und Schüler meine Begeisterung nicht teilen und sich auch nicht mit der Zeit davon anstecken lassen. Auch was das inspirieren angeht, musste ich erkennen, dass diese Momente seltene Perlen im Leben einer Lehrerin sind. Aber es gibt sie immerhin.

4. Was ist verloren gegangen?

Verloren habe ich viele Illusionen, die zum Teil bestimmt auch romantisierend waren (siehe Inspiration). Dafür habe ich aber an Erfahrung gewonnen. Ich habe gemerkt, dass Schule auch langsam, langweilig und eine Zwangsinstitution sein kann. Ich habe auch gemerkt, dass ich nicht gerne korrigiere.

Und die Vereinbarkeit?

Aber vor allem musste ich feststellen, dass auch der Lehrerberuf nicht unbedingt immer so leicht mit dem Familienleben zu vereinbaren ist, obwohl er vermutlich immer noch leichter zu vereinbaren ist, als manch anderer Beruf.

Sicher, ich habe Ferien, wenn mein Schulkind sie auch hat, aber

  1. erstens bedeutet Ferien nicht „frei haben“, denn außer in den Sommerferien, habe ich immer Korrekturstapel abzuarbeiten und
  2. besteht das Leben der Lehrerin nicht nur aus Ferien.

Ich arbeite mittlerweile wieder mit einer 3/4-Stelle. Das bedeutet, dass ich 13 Unterrichtsstunden à 65 Minuten (den 45-Minutentakt haben wir an meiner Schule vor 5 Jahren abgeschafft) unterrichte. In meinem Stundenplan sind aber mehrere Freistunden, die ich ebenfalls an der Schule verbringe (jetzt z. B. wo ich das hier schreibe). Zusätzlich zum Unterricht kommt noch die Vor- und Nachbereitung, Klassenarbeiten, Pausenaufsichten, Elterngespräche, Elternsprechtage, Konferenzen, Fortbildungen, zusätzliche Prüfungen, usw. Also ist die scheinbare Planungssicherheit, die so ein fester Stundenplan mir ursprünglich vermittelt hat, einfach nicht da, weil es oft Sondertermine gibt, zu denen ich muss und für die ich eine Kinderbetreuung brauche. Da ich an einer Ganztagsschule arbeite, wo bis 16.15 Uhr Unterricht ist und der Kindergarten um 16.30 Uhr endet, bedeutet es auch, dass ich für die Tage (zum Glück ist es im Moment nur einer), an denen ich in der letzten Stunde Unterricht habe, auch jemanden brauche, der mein Kindergartenkind abholt. An die Probleme, die in der Grundschulzeit auftauchen könnten, wenn sich unsere Stundenpläne stark unterscheiden werden, mag ich noch gar nicht denken.

Außerdem kommt noch ein anderer Aspekt ins Spiel, wenn es um Lehrerinnen und Vereinbarkeit geht. Ich tue mich schwer damit, meinen Beruf von meiner Mutterrolle zu trennen.

Mein großer Sohn hat mir geholfen, Schule noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen. Aber dennoch gelingt es mir nicht, so vorbehaltlos hinter meinem Kind zu stehen, wie andere Eltern das tun, weil ich immer die Perspektive seiner Lehrer auch verstehen kann (und ich möchte nicht die Lehrerin meines Sohnes sein). An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei meinem Sohn bedanken, dass er mir mit so viel Geduld, so viele Einsichten und Perspektivwechsel in Bezug auf Schule ermöglicht.

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Wurzeln und Flügel – Von Bindung und Loslassen

Mit dem Loslassen ist es nicht immer so leicht. Hier liest und hört man in letzter Zeit immer wieder von Helikopter-Eltern.  Diese Bilder finde ich erschreckend. So möchte ich nicht mit meinen Kindern umgehen.

Ein Sprichwort sagt: Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.

Wie ein Baum, der sein Astwerk auch nur entfalten und verzweigen kann, wenn er starke Wurzeln hat, so braucht auch ein Kind starke Wurzeln, damit es sich entfalten kann. Diese Wurzeln sind die Bindung, zunächst zu den Eltern, dann aber auch zu anderen Bezugspersonen. Wie wichtig eine sichere Bindung ist, ist unbestritten. Die Elternzeitschriften sind voll davon und auch bei den meisten Eltern hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Bindung die Basis für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung darstellt.

Aber wie ist es mit den Flügeln bzw. den Ästen? Wenn diese sich entfalten, lassen wir sie das tun? Oder versuchen wir, sie zu stutzen, kurz zu halten, in Form zu bringen?

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Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mein Baby das erste Mal allein bei der Tagesmutter gelassen habe. Nicht, dass ich der Frau nicht vertraut hätte, aber es ist mir schwer gefallen. Es war ein Stück Abnabelung. Und wir haben es beide geschafft.

Oder als mein großer Sohn in den Kindergarten gekommen ist. Ich war diejenige, die traurig war. Er ist selbstbewusst in den Gruppenraum geschritten und hat sich dort auf Anhieb zuhause gefühlt.

Später, als mein Großer zum ersten Mal alleine zur Musikstunde gegangen ist, weil ihn niemand bringen konnte (wir haben beide gearbeitet). Ich habe auf dem Weg zur Musikschule die ganze Zeit nach meinem toten Kind im Straßengraben Ausschau gehalten. Und mein Sohn war stolz wie Oskar, dass er es ganz allein geschafft hat.

Was ich damit sagen will? Oft fällt uns Eltern das Loslassen schwerer als den Kindern. Sie wollen ihre Flügel nicht nur ausbreiten sondern auch fliegen. Und wir haben oft Angst davor, sie gehen zu lassen. Aber wenn wir es schaffen, diese Angst für uns zu behalten und die Kinder dennoch fliegen lassen, dann können wir entdecken, wie glücklich und stolz sie sind, etwas alleine geschafft zu haben. Sie freuen sich über unser Vertrauen in ihre Fähigkeiten.

Und vor allem: Sie kehren gerne zu uns zurück.

Ratschläge sind auch Schläge

Mit der Elternschaft ist es ähnlich, wie mit dem Lehrersein. Weil wir alle selber Kinder bzw. Schüler waren, meinen wir, dass wir genau wissen, wie es richtig geht. Daher bekommen Eltern auch ständig ungefragt gut gemeinte Ratschläge. Von ihren Eltern, von Freunden (gerne auch von kinderlosen) und auch immer wieder einfach so von wildfremden Leuten auf der Straße.

Die Experten für das eigene Kind sind die Eltern. Also sollte sich niemand ungefragt in den Umgang von Eltern mit ihrem Kind einmischen, wenn es nicht gerade um massive Kindswohlgefährdung geht.

Ungefragte Ratschläge braucht kein Mensch, denn

  1. Ratschläge sind auch Schläge und
  2. „Gut gemeint“ ist in der Regel das Gegenteil von „gut“.
  3. Sind Kinder nicht freie Verfügungsmasse aller Erwachsener um sie herum.

Daher sollten wir uns alle zurückhalten mit ungefragten Ratschlägen zu Lebensform (berufstätig oder nicht), Umgang mit den Kindern oder anderen Dingen.

Eltern brauchen aber Unterstützung, denn wie schon das bekannte afrikanische Sprichwort sagt: „Es braucht ein Dorf um ein Kind groß zu ziehen.“

Die einfachste Lösung wäre, die Eltern zu fragen, ob bzw. wie man ihnen helfen kann. Dann kann man das tun, worum man gebeten wird. Das ist echte Unterstützung, die auch hilft. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass diese Unterstützung auch darin bestehen kann, dass ich meiner Schwiegertochter im Wochenbett ein warmes Essen vorbei bringe und dann – statt mit dem Enkelkind spazieren zu fahren – einfach mal das Bad putze.

Daher sollte ich meine Hilfe nur dann anbieten, wenn ich auch bereit bin, da zu helfen, wo es notwendig ist und nicht da, wo ich es für richtig halte.

Barbara Streidl: Kann ich gleich zurückrufen? Der alltägliche Wahnsinn einer berufstätigen Mutter. Blanvalet 2012

In ihrem Buch „Kann ich gleich zurückrufen?“ erzählt Barbara Streidl anschaulich aus ihrem Leben.  Anhand der Schilderung von sieben Tagen Spagat zwischen Familie und Beruf werden viele Probleme deutlich, die die Vereinbarkeit mit sich bringt.

Zu diesen Problemen zählt vor allem die innere Zerrissenheit. Einerseits möchte die Autorin Zeit mit ihrem Kind verbringen, gemeinsam Dinge unternehmen in Ruhe und ohne Hetze. Andererseits arbeitet sie gerne und möchte auch beruflich vorwärts kommen. Dies ist aber mit Teilzeitstelle und der in Deutschland immer noch herrschenden Präsenzkultur schwer.

Barbara Streidl untermauert ihren Spagat zwischen Familie und Beruf mit Zahlen und Fakten, die sich gut in den Text einfügen und wichtige Hintergrundinformationen geben.

So ist „Kann ich später zurückrufen?“ ein sehr interessantes und gut zu lesendes Buch geworden, das viele Fragen aufwirft aber auch Lösungsvorschläge macht. Rundum eine lohnende Lektüre.

Ruheinseln im Alltag

Kranke Kinder, Deadlines im Beruf, Termintetris – alle diese Dinge erhöhen unseren Stresslevel ungemein. Daher ist es wichtig, im Alltag bewusst Pausen einzulegen. Sich Inseln zu schaffen, die uns aus dem Strom der Aufgaben und Pflichten reißen und uns wieder festen Boden unter den Füßen geben. Diese Pausen müssen nicht lange dauern und können problemlos in den Alltag integriert werden.

Solche Inseln versuche ich mir bewusst zu schaffen. Dabei ist der erste Schritt immer, tief durchatmen, nachspüren, wie es mir gerade geht:

  1. Das bewusste Genießen der ersten Tasse Kaffee des Tages – ganz allein in meiner Küche – verhilft mir zu einem guten Start.
  2. Das Hörbuch im Auto bzw. die Musik-CD, die ich bewusst auswähle, sorgt dafür, dass ich etwas höre, was mir Spaß macht/mich interessiert/mir positive Energie gibt.
  3. Eine Tasse Tee, die ich mir morgens nach der Ankunft auf der Arbeit mache und dann in Ruhe trinke, bevor ich loslege hilft mir, anzukommen.
  4. Die Schlange an der Kasse gibt mir die Gelegenheit, mich zu erden und ruhig zu werden.
  5. Das Zubettbringen des kleinen Kindes gibt auch mir die Gelegenheit, runterzukommen.
  6. Eine Dusche nach einem anstrengenden Arbeitstag, bei der ich mir vorstelle, wie das Wasser auch allen Stress mit wegspült, lässt mich entspannter den Abend einläuten.
  7. Die Umarmung meines großen Sohnes und seine Fußmassagen, die er mir immer wieder schenkt, helfen mir, zu entspannen und seine Nähe zu genießen.
  8. Die Handarbeit abends auf dem Sofa gibt mir das Gefühl, etwas Kreatives zu erschaffen.
  9. Tiefe Atemzüge, wenn ich vor die Haustür treten, verbinden mich mit meiner Umwelt.
  10. Zwischendurch mal ein kleines Spielchen auf Handy oder Tablet erinnern mich an die Leichtigkeit des Lebens.

Es gibt bestimmt noch viele Möglichkeiten, Ruheinseln in den Alltag einzubauen.

Was macht ihr, um ruhig zu werden? Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.

Mütter in der Gratifikationskrise

Es wird viel darüber diskutiert, dass Frauen arbeiten sollen und wie man ihnen das ermöglichen könnte. Dabei wird aber oft übersehen, dass Frauen sowieso arbeiten. Es ist ja keineswegs so, dass Frauen, die sich ausschließlich um die Kinder kümmern, nicht arbeiten würden. Denn auch Erziehungsarbeit ist Arbeit.

Dazu kommt in der Regel auch noch der Haushalt, den meist Frauen – egal ob Vollzeit-, Teilzeit- oder Erziehungsarbeit leistend, überwiegend übernehmen. Dafür bekommen sie meist gar keine Wertschätzung und dies kann dann zu einer  Gratifikationskrise führen.

Dabei nehmen die Ansprüche an Frauen und Mütter immer weiter zu: sie sollen sich um die Kinder kümmern, den Haushalt schmeißen, arbeiten gehen und gleichzeitig eine MILF  sein. Dazu kommen Sprüche wie: „Schatz, wie war dein Tag auf dem Sofa?“ und der immer noch sehr mächtige Mythos von der guten Mutter, der den Druck zusätzlich erhöht.

Gratifikationskrisen machen krank und eine kranke Mutter will niemand haben.

Was können wir also tun?

  • Aufteilung der Hausarbeit (damit auch die Männer merken, dass Hausarbeit Arbeit ist).
  • Solidarität unter Frauen, denn wir geben alle unser Bestes*
  • Abbau des Mythos von der guten Mutter
  • Entlastung für Familien durch Unterstützung echter Wahlfreiheit für alle
  • und vor allem: Einfach mal sagen, dass man es toll findet, was eine Mutter alles leistet.

*Da gibt es gerade eine Aktion, die durch die Medien zieht. Klickt euch doch mal durch die Fotos von Stop the Mommy Wars

Familien-Freitag: gemeinsam Schlafen

Das gemeinsame Schlafen im Familienbett ist für mich einer der wichtigsten Stützen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn dank des gemeinsamen Schlafens  bekomme ich genug Schlaf und bin so zumindest halbwegs einsatzfähig. Dies wird auch durch Studien gestützt, wie man in diesem Artikel nachlesen kann.

Unser Baby hat von Anfang an mit uns in einem Bett geschlafen. So konnte ich nachts im Halbschlaf stillen und einfach weiter schlafen. Heute ist das „Baby“ fast fünf und schläft mittlerweile in seinem eigenen Zimmer ein. Aber er kommt immer noch jede Nacht zu uns, kuschelt sich an und verbringt den Rest der Nacht im gemeinsamen Bett. Und ich merke oft gar nicht, wann er kommt.

Wenn ich mir überlege, ich müsste jede Nacht (vielleicht sogar mehrmals) aufstehen, um ein weinendes Baby zu versorgen oder Geister im Zimmer eines Kindergartenkindes zu vertreiben, dann macht mich allein der Gedanke daran schon müde. Übrigens: Menschen, die das Bett teilen, gleichen ihre Schlafzyklen aneinander an. Im Klartext: Mutter und Kind wachen häufig parallel auf, keiner reißt den anderen aus dem Tiefschlaf. Wobei das nur klappt, wenn das gemeinsame Schlafen über mehr als nur ein oder zwei Tage probiert wird. Wie alles im Familienalltag, ist auch das gemeinsame Schlafen eine Gewöhnung und eine gute Übung, die Bedürfnisse jedes einzelnen Familienmitglieds zu beobachten.

Für Väter ist das gemeinsame Schlafen oft die einzige Möglichkeit, mehrere Stunden am Stück mit dem Kind in intensivem Körperkontakt zu verbringen. Wer tagsüber für viele Stunden außer Haus ist, kann sich nachts ein paar Kuscheleinheiten zusätzlich abholen. Auch beliebt: Das Sonntagsnachmittagsschläfchen von Vater und Kind. Nächtliches gemeinsames Schlafen hat allerdings eine andere Qualität – probiert es mal aus!